Ob Neutralschuh, medial gestützter Schuh, Rocker-Sohle, Carbonschuh oder Barfussschuh; ob hohe Sprengung oder maximale Dämpfung: Die riesige Auswahl des optimalen Laufschuhs kann die Entscheidung erschweren. Wie behält man im Dschungel der Sportschuhe den Überblick?
Spätestens, wenn beim Training Beschwerden auftreten, ist es Zeit für einen kritischen Blick auf das Schuhwerk. Natürlich immer im Zusammenspiel mit der Lauftechnik, den körperlichen Voraussetzungen sowie der Laufintensität und des Umfangs.
Ein Beispiel: Ein Laufschuh mit einer unzureichend stabilen Sohle kann eine Pronation (Einknicken) des Fusses begünstigen, selbst wenn die Ferse barfuss neutral zum Boden steht. Langfristig führt eine solche Fehlbelastung oft zu Schmerzen in den Knien oder Hüften.
Was sagt die Wissenschaft?
Statistiken zeigen, dass rund 37 % aller Läuferinnen und Läufer unter Beschwerden an den unteren Extremitäten leiden – meist im Bereich der Knie, Unterschenkel oder Achillessehnen. Seit Jahren versuchen Forschungsstudien, den Einfluss der Biomechanik auf das Verletzungsrisiko zu entschlüsseln. Die Ergebnisse sind jedoch so vielfältig wie der Laufsport selbst.
Besonders bei den Themen Dämpfung und Stabilität scheiden sich die Geister: Während Studien von Malisoux et al. andeuten, dass eine stärkere Dämpfung bei leichteren Läufer:innen Verletzungen reduzieren kann, zeigten Untersuchungen von Kulmala et al., dass viel Dämpfung – gerade bei hohem Tempo – sogar Probleme provozieren kann. Andere Studien fanden wiederum gar keinen statistischen Zusammenhang. Das zeigt: Pauschalaussagen greifen zu kurz.
Der Carbonschuh – Performance-Booster oder Risiko?
Ein Trend, der die Laufszene revolutioniert hat, ist der Carbonschuh. Durch eine integrierte Versteifungsplatte und eine extrem reaktive Zwischensohle verspricht er maximale Energieeffizienz. Dass die Performance steigt, ist bei Profis und hohen Geschwindigkeiten belegt. Doch Vorsicht: Ein Carbonschuh verändert die biomechanische Belastung massiv. Nicht jeder Körper kann diese Veränderung ertragen. Lauftechnik, Gewicht und Tempo spielen hier eine entscheidende Rolle dabei, ob der Schuh zum Segen oder zum Fluch wird.
Welcher Schuh passt zu mir? Drei Schlüsselfragen
Um die Auswahl einzugrenzen, sollten Sie sich folgende drei Fragen stellen:
1. Ziel: Was wollen Sie erreichen? Planen Sie neue Bestzeiten im Wettkampf, möchten Sie Ihre allgemeine Fitness fördern oder dient das Laufen als Ausgleich für eine andere Sportart?
2. Anwendung: Wo und wie trainieren Sie? Stehen schnelle Intervalle auf der Bahn an oder lange Läufe auf weichem Waldboden? Oder geht es gar ins alpine Gelände (Trailrunning)?
3. Aktueller Zustand: Wie ist Ihre körperliche Ausgangslage? Haben Sie aktuelle Beschwerden oder alte Verletzungen? Wie sind Ihre Fussform und Ihre Beinachse beschaffen?
Ein paar Faustregeln:
- Ein Carbonschuh gehört zu einem schnellen Lauf auf ebenem Untergrund. Ganz sicher hat er nichts beim Trailrunning zu suchen.
- Je länger die Trainingseinheit, desto stabiler sollte der Schuh sein. Ein Schuh mit hoher Dämpfung ist oft weniger stabil.
- Bei Achillessehnenproblemen kann eine zu weiche Sohle kontraproduktiv sein, da sie die axiale Belastung stört.
Unser Fazit
Es gibt nicht den einen, perfekten Schuh. Es gibt nur die individuell beste Lösung für Sie. Bei NUMO unterstützen wir Sie dabei, genau dieses Modell zu finden.
Im Rahmen unserer professionellen Laufanalyse untersuchen wir Ihre Biomechanik und Ihren Laufstil. Bei einer Schuhberatung analysieren wir Ihre bisherigen Schuhe, lassen Sie verschiedene Testmodelle ausprobieren und finden mittels Videoanalyse heraus, welcher Schuh Ihre Bewegung optimal unterstützt.
Abgesehen von der Schuhwahl haben wir drei Tipps für Sie:
- Arbeiten Sie kontinuierlich an Ihrer Lauftechnik, insbesondere mittels Lauf-ABC.
- Eine Schuheinlage ist ein Hilfsmittel, kann aber einen grundsätzlich unpassenden Schuh nicht korrigieren.
- Vertrauen Sie nicht blind auf eine Marke: Auch ein Nachfolgemodell kann sich biomechanisch völlig anders verhalten als sein Vorgänger.
Erwähnte Literatur
Laurent Malisoux, Nicolas Delattre, Paul Gette, Axel Urhausen, Daniel Theisen. Schuhdämpfung, Körpergewicht und Laufbiomechanik als Risikofaktoren für Laufverletzungen. Luxembourg Institute of Health. Date of publication unknown.
Kulmala, JP., Kosonen, J., Nurminen, J. et al. Running in highly cushioned shoes increases leg stiffness and amplifies impact loading. Scientific Reports 8, 17496 (2018). DOI: 10.1038/s41598-018-35980-6.